Papa

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich eines Tages zu meinen Eltern gesagt habe, ich möchte nicht alleine sein, ich will ein Geschwisterchen. Jedoch nicht irgendeines, ich wollte unbedingt eine Schwester! Und prompt, als ich acht Jahre alt war, bekam ich sie – meine Schwester. Es war ein wunderbarer Tag für mich: Mein Papa hat mich von der Schule abgeholt, was sehr selten vorkam, da er immer um diese Zeit arbeiten musste. Doch dieses Mal sollte es anders sein.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich zur Steintreppe, die nach unten führte, lief und da wartete mein Papa mit einem müden, jedoch strahlenden Gesicht auf mich und rief mir zu: „Susanne, deine Schwester ist da. Komm wir fahren gleich ins Krankenhaus!“ Gesagt, getan und schwupps saß ich auch schon im Auto in Richtung meiner Schwester. Ich konnte es kaum erwarten. Wir brauchten nur 15 Minuten, doch es kam mir ewig vor. Naja, damals wusste ich noch nicht, dass Vorfreude ja die schönste sein kann.

Im Krankenhaus angekommen, strahlte mich Mama an und ich sah zum ersten Mal die kleine neue Weltenbewohnerin. Ach, war die klein. Runzelig, ein bisschen zerknautscht, jedoch mit wunderbar schönen vollen und dunklen Haaren und einfach das süßeste Baby, das ich je gesehen habe. Eh klar, war ja auch meine Schwester. So begrüßte ich sie natürlich stürmisch, durfte sie auch einmal halten und küsste sie. Hm, wie sie toll nach Baby duftete. Mama ging es auch gut. Alles war bei der Geburt gut gelaufen und wir waren eine wunderbar glückliche Familie, endlich zu viert.

Nach einer Weile verabschiedeten wir uns von den beiden, da sie ja noch Ruhe brauchten, und ich ging mit Papa Pizza essen. Papa musste sich, glaube ich, gewaltig stärken. Ich weiß noch, wir saßen an einem großen runden Holztisch im hinteren Teil der Pizzeria und Papa bestellte sich einen großen Teller Spaghetti und eine noch größere Pizza hinterher. Er hatte wirklich Hunger. Ich staunte nur so und vergaß fest, dass ich ja meine eigene essen sollte.

Es war ein wunderbarer Tag. Ich war sehr glücklich. Mein Wunsch nach einer Schwester hatte sich erfüllt! Doch was das Allerschönste an diesem Tag war: Ich hatte meinen Papa ein letztes Mal alleine, ganz alleine für mich. Wir lachten, schnabulierten vor uns hin und drückten uns. Nur wir beide, Papa und ich – einfach unvergesslich schön.

Danke Papa, ich liebe dich!